Die 1990er Jahre: Blütezeit der Homöopathie
Die Homöopathie erlebte in den 1990ern eine Hochzeit: Sie war bei Patient*innen und bei Therapeut*innen gleichermaßen beliebt, homöopathische Praxen waren oft auf Monate im Voraus ausgebucht und zusammen mit dem Entstehen neuer homöopathischer Strömungen und der Wiederentdeckung alter homöopathischer Arbeitsweisen blühte auch die Aus- und Fortbildungslandschaft. Viele Ausbildungsstätten speziell für Heilpraktiker wurden aus der Taufe gehoben. Denn die ärztlichen Kollegen von damals sahen die Heilpraktiker in ihren Reihen nicht so gerne.
Einige Verbände und Vereine für die Förderung von Homöopathie erkannten aber ein Problem: Es war nicht klar definiert, was eigentlich als "Homöopathie" gelehrt wurde und wie die Qualität der Ausbildungen gewährleistet werden konnte. Daher initiierten der Bund klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. (BKHD) und der Verband klassischer Homöopathen Deutschlands e.V. (VKHD) einen Prozess zur Erarbeitung von Qualitätsstandards für homöopathische Ausbildungen. Dies war der Beginn der "Frankfurter Qualitätskonferenzen".
Die Frankfurter Qualitätskonferenzen
Die Konferenzen starteten 1998. Ziel war die Erarbeitung eines Standards für Ausbildung und Professionalisierung klassischer Homöopath*innen. Aus dem ganzen Bundesgebiet kamen homöopathische Therapeut*innen, Dozent*innen, Schul- und Ausbildungsleiter*innen und Vertreter*innen von Fachgesellschaften aus verschiedenen homöopathischen Richtungen in Frankfurt zusammen und erarbeiteten in zahlreichen Sitzungen einen Ausbildungsrahmen, Lehrinhalte und Kriterien für Fortbildungspflichten.
So entstand ein breiter Konsens darüber, was an Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen über alle homöopathischen Methoden hinweg fachlich und im Sinne einer qualitativ hochwertigen Ausbildung unverzichtbar ist und welche Qualitätskriterien auch nach der Ausbildung für Therapeut*innen gelten sollen.
Gründung zweier Organisationen zur Qualitätssicherung
Nun kam der nächste Schritt: die Institutionalisierung. So wie TÜV und andere Organisationen die technische Sicherheit von Fahrzeugen anhand konkreter Kriterien überwachen, brauchte es nun auch in der Homöopathie eine Institution, die Ausbildungsgänge und Therapeut*innen auf Einhaltung der neu erarbeiteten Qualitätsstandards überprüfen konnte. Es kam zu intensiven Diskussionen über die passendste Organisationsform - leider, ohne zu einer Einigung zu gelangen.
So kam es 2003 zur Gründung zweier Organisationen, die die Aufgabe der Qualitätssicherung übernahmen:
- die Qualitätskonferenz des BKHD (QBKHD) als Zweckbetrieb des BKHD, Aufnahme ihrer Tätigkeiten im Frühjahr 2003
- die Stiftung Homöopathie-Zertifikat (SHZ), gegründet am 1.11.2003 in Ulm
Eigenständige Weiterentwicklung der Qualitätskriterien
Beide Organisationen etablierten mit den gemeinsam erarbeiteten Kriterien jeweils ein eigenes System zur Qualifizierung (QBKHD) bzw. Zertifizierung (SHZ) von Therapeut*innen.
Das war ein bedeutender Schritt für die Homöopathie in Deutschland, dessen Folgen sich bis heute positiv auswirken: Hochwertige Homöopathie-Ausbildungen sind seitdem zur Selbstverständlichkeit geworden. Davon wiederum können neue Generationen von Homöopath*innen profitieren, die gut ausgebildet in die Arbeit in der Praxis starten. Durch ihre Selbstverpflichtung zu regelmäßigen Fortbildungen entwickelten sich die qualifizierten bzw. zertifizierten Therapeut*innen fachlich (homöopathisch und klinisch) beständig weiter. Dies wiederum stabilisierte den Fortbildungsmarkt weiter. Dozent*innen, Supervisor*innen und Seminarveranstalter*innen hatten eine stabile Planungsgrundlage, ebenso die Autor*innen und Verleger*innen von homöopathischer Fachliteratur.
Doch vor allem den Patient*innen kommen die gemeinsam entwickelten Qualitätsstandards und die Strukturen von QBKHD und SHZ zugute: Sie können seit 2003 anhand der Qualitätssiegel und der Zertifikate erkennen, welche Homöopath*innen hinsichtlich ihrer Qualifikation geprüft sind. Sie profitieren von der Kompetenz gut ausgebildeter Homöopath*innen und können sich darauf verlassen, dass Qualifizierte wie Zertifizierte hohen Wert auf Patientensicherheit legen und verantwortungsvoll (be-)handeln.
In den Jahren seit ihrer Gründung entwickelten QBKHD und SHZ unabhängig voneinander die vorhandenen Kriterien und Strukturen weiter, v.a. hinsichtlich ihrer Anforderungen an Dozent*innen, Supervisor*innen und Ausbildungsgänge.
Wiederannäherung während der Corona-Krise
Wie in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft begann 2020 mit der Corona-Zeit auch für die Homöopath*innen eine schwierige Zeit. Dies betraf auch die Belange von QBKHD und SHZ: Die Anbieter von Aus- und Fortbildungen konnten unter den geltenden Bedingungen kaum Präsenz-Kurse und -Seminare veranstalten. Dadurch hatten die Therapeut*innen Schwierigkeiten, ihre mit der QBKHD bzw. der SHZ vereinbarte Fortbildungspflicht zu erfüllen. Ein adäquates Angebot an Online-Fortbildungen stand noch nicht zur Verfügung, war erst im Entstehen und musste auch hinsichtlich von Qualitätskriterien berücksichtigt werden.
QBKHD und SHZ nahmen diese Situation zum Anlass, sich zur Entlastung ihrer Qualifizierten und Zertifizierten über gemeinsame, zeitlich begrenzte Ausnahmeregelungen zu verständigen. Die Zusammenarbeit erwies sich als fruchtbar und so begann man auch Ethik-Richtlinien miteinander abzustimmen, was 2022 zur Berufung einer gemeinsamen Patientenfürsprecherin und der Einrichtung einer gemeinsamen Schlichtungs- und Ethik-Kommission führte (gemeinsam mit Homöopathen ohne Grenzen).
In den vielen Gesprächen, die in diesen Jahren stattfanden, kam es zu einer Annäherung von QBKHD und SHZ. Schließlich lag die Idee nahe, die beiden Organisationen zu vereinen. Die zu erwartenden Vorteile waren klar: Bündelung der Ressourcen, Vermeidung von Doppelarbeit, Etablierung eines einheitlichen Qualitätsstandards und Stärkung der gemeinsamen Außenwirkung.
Das Ansbacher Treffen
Am 02.02.2024 kamen Vorstände von BKHD und SHZ sowie die Leiter der Qualitätskonferenzen von QBKHD und SHZ in der Nähe von Ansbach zusammen und besprachen die Möglichkeiten und Perspektiven einer Zusammenführung von QBKHD und SHZ. Unterstützt wurden die Gespräche von den ebenfalls anwesenden Vorständen des VKHD.
Am Ende des Treffens stand der Wille zur Vereinigung fest. Infolgedessen wurden in QBKHD und SHZ jeweils die rechtlichen Möglichkeiten eines Zusammenschlusses geprüft und die formelle Zustimmung zum Vorantreiben des Einigungsprozesses eingeholt. Als Rechtsform wurde die Stiftung gewählt, es sollte der bereits vorhandene Stiftungsmantel der SHZ dafür wiederverwendet werden. Es folgte ein knapp zweijähriger Prozess, in dem in gemeinsamen Arbeitsgruppen der Zusammenschluss auf rechtlicher und organisatorischer Ebene vorbereitet und die Qualitätskriterien angeglichen wurden.
Für die neue, gemeinsame Organisation wurde der Name "Stiftung für Qualität in der homöopathischen Therapie", kurz "SQhT" gewählt.
Die Berliner Konferenz
Um den Zusammenschluss auch auf der Beziehungsebene zu verwirklichen, fand die letzte reguläre Gesamtkonferenz der SHZ am 22./23.11.2025 in Berlin schon ganz im Zeichen der SQhT statt. Eingeladen waren neben den Gremienmitgliedern der SHZ auch die Vorstände des BKHD, Mitglieder der QBKHD und weitere Interessierte aus dem BKHD. Im Laufe dieser Konferenz entschieden sich die Teilnehmer*innen entsprechend ihrer Kompetenzen, Erfahrungen und Präferenzen, in welchem Gremium der neuen Stiftung sie zukünftig mitwirken wollen.
Die Berufung der neuen Mitglieder in den Stiftungsrat und in die Qualitätskonferenz erfolgte noch vor Weihnachten 2025.
Vereinigung: QBKHD + SHZ = SQhT
Seit dem 01.01.2026 ist der Zusammenschluss von QBKHD und SHZ zur SQhT rechtskräftig.
In der ersten Qualitätskonferenz der SQhT am 09.01.2026 wurden die gemeinsam überarbeiteten Qualitätskriterien in Kraft gesetzt.
Damit ist die SQhT die zentrale Zertifizierungsstelle für homöopathische Heilpraktiker*innen. Auch für Ärzt*innen ist eine SQhT-Zertifizierung möglich. Die SQhT macht damit auch in Zukunft für Patient*innen, kooperierende Institutionen und für die Öffentlichkeit Qualität und Patientensicherheit in der Homöopathie auf transparente und nachvollziehbare Art greifbar.